Erinnerungssplitter

Anekdoten / Erinnerungen /Lügengeschichten ...
Ich fang einfach mal mit ein paar Erinnerungen an. Wem auch etwas Schönes, Spannendes, Denkwürdiges, Witziges (oder irgendwas) einfällt: Bitte an pneese@mikis-hamburg.de schicken! Ich stelle es auf diese Seite.

 

Gila
Bevor ich ins Taverna Mikis das Programm gestaltete, war ich im "Haithabu" gemeinsam mit Bernd Jaeger für das Programm zuständig. Einmal kam ich am frühen Abend ins Haithabu und Bernd berichtete, dass es heute schwierig werden würde, denn die Band hatte abgesagt. "Keine Sorge, ich habe schon Jerry angerufen und wir können das zur Not alleine bestreiten. Vielleicht kommt auch noch Gila vorbei", beruhigte mich Bernd.
Ich lernte Jerry kennen, die Beiden fingen an zu spielen. Plötzlich ging die Tür auf und eine strahlend schöne Frau kam herein. Da sie einen Gitarrenkoffer trug, nahm ich an, dass sie Gila sei, was dann auch stimmte. Nach den üblichen Vorbereitungen war sie bereit, auf der Bühne mit einzusteigen. Allerdings gab es nur zwei Mikrofone. Da stellte sie sich einfach daneben und sang ohne Mikro. Und von Bernd und Jerry war plötzlich kaum noch was zu hören ... Und Neese saß fünf Meter entfernt auf der Bank im Publikum und kriegte den Unterkiefer nicht mehr hoch! Die Faszination von Gilas Stimme hat mich bis heute nicht los gelassen.
Peter Neese
 
Rosé
Im Taverna Mikis vor Dave Panitschs Zeiten gab es natürlich schon diesen relativ kurzen Tresen ohne Aufbau für die Gäste. Man stellte sein Bier also neben dem Abtropfrost ab. und natürlich konnte man alles, was der Wirt so machte, ganz genau beobachten. Die Kellnerin kam: "Da hat jemand einen Rose-Wein bestellt. So was haben wir doch gar nicht." Der Tresenmann: "Doch, haben wir.", nimmt ein Glas, schenkt etwas Rotwein ein und füllt mit Weißwein auf. Fertig war der Rose.
Peter Neese
 
Nee Ningy
"The Blammers" hieß das Blues-Duo, das im Mikis der Oberrenner war. Henry Heggen und Brian Barnett spielten zweimal im Monat in der Woche und hatten trotzdem immer volles Haus. Die beiden kamen ein paar Jahre vorher als Teil einer siebenköpfigen Band namens "Have Mercy" nach Hamburg. Sechs der sieben konnten Mundharmonika spielen und taten dies auch bei einigen Stücken. Außer Henry und Brian sind auch noch Dick Bird und Steve Baker in Hamburg geblieben. Von den restlichen Dreien lebte einer in Frankreich, einer ging in die USA und einer fühlte sich als Weltenbummler am wohlsten.
Aus den USA startete Chris Turner mit seiner Kajun-Band Nee Ningy eine Europa-Tournee. Wo begannen sie? Natürlich in Hamburg. Leider war das in Paris lebende Have Mercy-Mitglied unterwegs, aber der Weltenbummler Rory McLeod war gerade in London und ließ sich einen Abstecher nach Hamburg nicht nehmen. So kam es zu einem Auftaktkonzert mit Nee Ningy und nach zehn Tagen zu einem Abschiedskonzert. Und das war der wildeste Gig, den ich im Taverna Mikis je erlebt habe.
Ich hatte mich etwas verspätet. Die Auftritte begannen immer um 21 Uhr und ich war erst halb Zehn angekommen. Vor dem Mikis kam mir die Kellnerin mit einem Tablett voller Gläser entgegen. Sie lief durch den Garten und reichte die Getränke durch die Fenster an die Tische. "Ist voll!", sagte sie mir auf dem Rückweg. In der Tat, es war kein Durchkommen. Und es blieb voll. Ich habe 14 Musiker gezählt, die von 21 Uhr bis 4 Uhr morgens nonstop Musik gemacht haben - nicht unbedingt immer alle auf einmal, aber eine Pause gab es nicht. Und zwischen dieser Horde von Musikern drängte sich alles, was irgendwie das Glück des frühen Platzes hatte, im Rhythmus des Blues. Ich brauchte eine lange Zeit, bis ich mich unter Ausnutzung der kleinsten Lücken und Schwächen der vor mir Stehenden, Tanzenden, Jubelnden so weit vorgemogelt hatte, dass ich dauerhaft in den Musikraum sehen konnte. Ab und zu stürmten Henry und zwei, drei andere los, sprangen auf Tische und Bänke und spielten direkt vor den Nasen der Gäste weiter. Die müssen alle in Trance gewesen sein. Und die Gäste auch …
Peter Neese
 
Chilenen und Araber
Im Taverna Mikis gab es viele ausländische Besuchergruppen, von Engländern über Franzosen bis zu Südamerikanern, Arabern oder Koreanern war vieles vertreten. Völlig unverständlich fand und finde ich, warum sich Südamerikaner und Araber nicht mögen. Es gab immer Reibereien, wenn beide Gruppen in der Kneipe waren. Meist konnten wir Schlimmeres verhindern, was aber zumindest heftigen Stress für uns bedeutete. Einmal war die Schlägerei schon angefangen, als wir mit letzter Kraft die Leute wieder trennen konnten. Immerhin: uns achteten sie und hörten auf uns. Wahrscheinlich wollte niemand das Mikis missen.
ich kannte einen der Südamerikaner. Es war ein Chilene, der an der Uni politisch aktiv war. Ich wusste, dass er wirklich in seiner Heimat verfolgt worden und (eigentlich) ein korrekter Typ war. Ein paar Tage später sprach ich ihn auf die Schlägerei an. "Ja, Peter, du hast ja Recht, das war nicht toll von uns. Aber du musst doch zugeben: die Araber sind alle primitiv und dumm!"
Peter Neese
 
Ascher
Als an einem Sonntag am Liedermacherabend gerade Jochen Wiegandt auf der Bühne sang, kam Ascher mit ein paar Freunden rein und setzte sich gleich an den ersten Tisch. Er war leicht angetrunken, verhielt sich aber gewohnt korrekt. Dann machte ein Stammgast namens Ronni den Fehler, quer über den Raum hinweg Ascher zu grüßen. "Wie geht's denn so?" Das war zu viel. Ascher antwortete, dass er gerade aus dem Grindel hoch gegangen sei, am Fernsehturm vorbei und es sei doch immer wieder faszinierend, dass die Natur sich nicht völlig aus der Stadt vertreiben lasse. Und er zeigte eine Pflanze, die er aus seiner Tasche zog und hielt einen fünfminütigen urkomischen Vortrag über die Besonderheiten dieser Pflanze. Das Publikum tobte vor Begeisterung, weil Ascher einfach umwerfend war.
Jochen tat das einzig Richtige: er hörte auf zu singen, setzte sich auf einen Stuhl neben der Bühne und wartete, bis Ascher fertig war. Kurzer Blick zu Ascher, der hob entschuldigend die Hand, Jochen grinste und sang weiter.
Hinterher sagte mir Jochen: "Wir kennen doch Ascher. Das macht er nicht absichtlich, aber manchmal überfällt es ihn, man muss dann mitmachen."
Peter Neese
 
Völlig normal
In der vollen Kneipe, im gemütlichen Gespräch, alle bester Laune und freundlicher Gesinnung: dann aufstehen und laut durch den ganzen Raum schreien: "Ich bin völlig normal!!!" - So waren wir damals.
Peter Neese
 
Mini-Bahn
In Langenhorn hatte ich in einem Firmen-Vorgarten eine Art Eisenbahn auf Rädern entdeckt. Sie musste von einem Busfahrer gefahren werden, fasste 28 Fahrgäste und konnte gemietet werden. Ich rechnete das in einen Pauschalpreis inkl. ein paar Kisten Bier und Grillwürstchen um und kam auf einen Preis von 20 Mark pro Fahrgast.
An einem Sonntag fuhr das Gerät feierlich beim Mikis Pan vor und alle stiegen ein. Bier und Materialien wurden in der "Lok" verstaut und los ging es zum Falkensteiner Ufer. Der Zug hatte eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h, aber den Abhang in Blankenese runter nach Wittenbergen war er wohl kurz vor 40 …
Es war ein traumhaftes Wetter und Partystimmung. Schon während der Hinfahrt wurde gesungen und nur gelacht. Am Elbstrand gab es für jeden Geschmack reichlich: Fete, Sonnenbaden, Musik am Lagerfeuer, Bierchen … Der Busfahrer hat's auch genossen. In den Folgejahren machten wir noch drei Ausflüge mit dem Zug, dann wurde er leider in die Nürnberger Gegend verkauft.
Peter Neese
 
Kein Alkohol
Meist arbeitete ich im Mikis Pan bis 4 Uhr morgens und ging dann zu Fuß auf einen Absacker ins Mikis am Grindel, das von Gyuri, dem ehemaligen Pan-Wirt und damaligen Mann von Sophie geführt wurde. Gyuri hatte eine sehr Neese-freundliche Abrechnungsweise. Egal, ob ich zwei oder acht Bier getrunken hatte oder was ich noch verzehrt hatte, er überlegte eine Weile, tat so, als ob er rechne und sagte dann "Fünf Mark!". Ich bedankte mich und zahlte den Heiermann.
Dann hatte ich beschlossen, eine Zeitlang keinen Alkohol zu trinken und bestellte auch im Mikis am Grindel nur eine Selter (kostet 1,80 Mark). Gyuri sah gar nicht auf meinen Zettel und sagte automatisch seine 5 Mark, die ich lachend auch zahlte. Ddadurch wurde er erst aufmerksam und wir redeten ein wenig. Er sagte: "Ja, ist gar nicht schlecht, mal ein wenig auf Alkohol zu verzichten. Ich habe auch die letzten beiden Tage keinen Alkohol getrunken." Ich stutzte und sagte: "Aber Gyuri, ich war doch beide Tage hier und habe dich jede Menge Bier und Wein trinken sehen." - "Ja", sagte er. "Bier und Wein, aber keinen Alkohol!"
Peter Neese
 
Pan-Schlägerei
Einmal gab ich einem Typen im Mikis Pan Lokalverbot, weil er Frauen belästigt hatte. Ermahnungen blieben wirkungslos, die Frauen waren schon recht verzweifelt, da schmiss ich ihn raus.
Ein paar Tage später kam er wieder und hatte zwei Typen im Gefolge. Einer davon gehörte zur berüchtigten Wendt-Familie, von der später auch die Geschichte mit der Machete handelt. Der Typ stellte sich sofort an den Tresen und quatschte eine Frau an. Ich hatte natürlich keine Wahl, ich musste ihn rausschmeißen. Ich sagte einem Stammgast, er möge die Polizei anrufen, wenn was schief geht. Dann ging ich zu seinen Kumpanen und sagte "Leute, wir haben ein Problem. Er hat hier Lokalverbot und muss jetzt raus gehen." - "Warum hat er das?" - "Weil die Frauen sich über ihn beschweren und er nicht aufhört." - "Rede mit ihm, wir halten uns zurück." Ich ging zu dem Typen hin, er weigerte sich und ich versuchte ihn langsam Richtung Tür abzudrängen. Irgendwann versuchte er, auf mich einzuschlagen. Da fasste ich ihn um den Leib und trug ihn zur Tür. Man merkte, er war kleiner und leichter als ich. Wir stolperten auf der Treppe (das Pan war eine Souterrain-Kneipe) und dann kamen seine Kumpels ran. Ich hätte schlimm ausgesehen, wenn nicht mehrere Stammgäste für mich aufgesprungen wären.
Es entstand eine wüste Schlägerei. Wir sechs, sieben Leute hatten arge Schwierigkeiten gegen die drei kampferprobten Schläger. Wir versuchten nur, alle drei aus der Kneipe zu kriegen und die Tür zu schließen. Einmal hatten wir es geschafft, da sah ich durch das Fenster, wie unser Achmed draußen auf dem Bürgersteig lag und alle drei auf ihn eintraten. Ein Bild, das ich nie vergessen werde. Natürlich waren wir alle sofort draußen und die Prügelei entstand erneut. Irgendjemand von uns machte den Fehler und warf mit einem Müllsack. Der kam postwendend zurück und landete im Eingang, so dass wir die Tür nicht mehr schließen konnten.
Einmal waren wir aber alle drin und hielten verzweifelt die Tür so weit zu, wie es ging. Ich lief hinter den Tresen, um meine Gaspistole zu holen. das Telefon klingelte. Ich weiß nicht, warum ich es fertig brachte, den Hörer abzunehmen, vielleicht war es automatisch. Eine Nachbarin schrie: "Wenn der Lärm nicht sofort aufhört, dann rufen wir die Polizei!" - "Bitte tun Sie das, wir werden hier überfallen und haben selbst schon versucht, die Polizei zu rufen!" Ich lief mit der Pistole zur Tür, konnte natürlich auf niemanden zielen, weil sie fast zu war. Also zielte ich sozusagen über Bande und drückte ab. Ein Schrei erscholl und im nächsten Augenblick sah ich einen draußen am Fenster vorbei laufen, die Hände vor die Augen geschlagen. In dem Moment kam ein Streifenwagen, beide Schläger wurden festgenommen. Die machten auch gar keine Anstalten zu fliehen. "Bis demnächst!", rief mir Wendt zu. Na toll, dachte ich. Aber er kam nicht wieder.
Das Pan sah aus wie ein Schlachtfeld und die Stammgäste und ich pflegten den Rest der Nacht unsere Wunden und Beulen. Es sind alle Gäste wieder gekommen, so weit ich es erinnern kann. Ich hatte schon tolle Gäste.
Peter Neese
 
Bäcker
Schräg gegenüber vom Mikis Pan in der Turnerstraße war eine Bäckerei. Wenn ich um 4 Uhr morgens Feierabend machte und um halb fünf Uhr aus der Kneipe raus ging, duftete es schon dermaßen unwiderstehlich, dass ich oft mal reinschielte, ob es nicht schon ein Brot oder Brötchen gab. Oft kam ich dann auch mit leckerer Beute heim. Und zweimal hatten wir uns mit einigen Musikern und Gästen Sonntags zum Frühstück im Pan verabredet, um anschließend auf den Fischmarkt zu gehen. Auch diese Tage mit dampfend warmem Brot - einfach köstlich!
Peter Neese
 
20 Jahre Mikis
Die größte Veranstaltung im Mikis habe ich damals unter dem Motto 20 Jahre Mikis gemacht. das Orginal-Plakat habe ich noch. Es waren über 600 Leute zur Show gekommen und Promis, die ich eingeladen hatte, zum Beispiel Tony Sheridan und Musiker von englischen Top-Bands. Das ganze war an drei Tagen. Besitzer vom Mikis war damals Jens Sonnenberg.

Manfred Noll (Noller)
 
Meeting in Kanada
Ich arbeitete hinterm Tresen im Mikis Pan und pausierte drei Monate, um durch USA und Kanada zu reisen, aber das Mikis ist überall ... Ich kam gerade aus Mr. Mike, einem Coffeeshop in Whitehorse, Yukon, als mir vor der Tür ein Musiker namens Thomas Freudenthal vor die Füße lief. Der trat lange Jahre regelmäßig im Mikis auf, lebte nun seit einer Weile in der Umgebung von Whitehorse - quasi mitten im Busch. Wir klönten ein wenig und zogen dann unserer Wege.
Jürgen Bretz
 
 
 
 
 
 
 
Websites von Musikern
Sonstige Websites
 
Möchte jemand aufgenommen werden?  Info an Peter!

 

 © 2004 Peter Neese